Lean. Digital. IPD.

PLACE Strategy erreicht einen neuen Meilenstein!

Diese Woche startete unser neues Projekt mit einem Paukenschlag! In der Projektentwicklung setzen wir ab Leistungsphase 0 Lean digital in einem IPD Projektsetup für einen Bauträger um. Hierdurch soll die Effizienz der Planungsphase gesteigert und die Ausführung durch die nahtlose Projektstruktur beschleunigt werden.

In diesem Blog möchten wir in den nächsten Monaten während des gesamten Projekts über Methoden, Fortschritte und Erfahrungen zu dieser innovativen Abwicklungsform berichten und tiefe Einblicke gewähren.

Maximilian Weik
Maximilian WeikAutor

Bauprozesse optimieren? – Challenge accepted

Was nach dem ersten Mal lesen sicherlich nach überzogenen Werbetexten klingt, hat eine tiefere Bewandtnis. Wir haben ein drastisches Effizienzproblem rund ums Bauen. Noch viel schlimmer ist, dass es uns oftmals einfach egal ist. Besonders offensichtlich sehen wir dies bei einem Blick in die Vergangenheit, genauer ins Jahr 1950. Ein vermeintlich großer Sprung zurück, seitdem nicht nur Computertechnik, Telekommunikation und Robotik unser Leben enorm verändert haben. Arbeitsweisen auf dem Bau haben sich hingegen kaum merklich verändert, oder erkennen Sie einen Unterschied?

Armierungsarbeiten 1950

Armierungsarbeiten 2017

Selbst die Art wie wir mit Plänen auf der Baustelle arbeiten ist identisch.

Planbesprechung 1950

Planbesprechung 2017

Klar, ich gebe zu, die Gegenüberstellung ist überspitzt. Ich bin überzeugt, dass man sich 1950 schon genau so über falsche oder nicht durchdachte Planung, unsaubere Ausführungen oder permanente Änderungen beschwert hat. Dies weist in meinen Augen nicht auf ein rein technologisches Problem hin, sondern vielmehr auf ein systematisches.

Eines, welches wir die letzten 68 Jahre nicht beseitigen konnten oder wollten?
Zusammen mit einem Bauträger haben wir genau dieses systematische Problem untersucht und werden es im nun gestarteten Projekt eliminieren. Das funktioniert natürlich nicht über das reine überstülpen und anwenden neuer Methoden. Vielmehr erfordert es einen langfristig angelegten Wandel in der Art der Projektabwicklung.

Wir haben uns bewusst ein zeitkritisches und durch den angestrebten Business-Case stark nutzerabhängiges (welche zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht feststehen!) Projekt entschieden, um die volle Breitseite heutiger Herausforderungen im Bau anzugehen. Die Challenge ist klar – wie können Bauprojekte zukünftig schneller, kostengünstiger, sicherer und stressfreier abgewickelt werden und das bei voller Zufriedenheit des späteren (noch unbekannten) Käufers.

Das Projekt

Sommerloch und Hitzewelle, was kann es da schöneres geben als Verträge zu diskutieren. Dennoch war es diese Woche soweit, die Basis für ein kollaboratives Projekt par excellence ist gelegt.

Bei dem Projekt handelt es sich um eine in mehrere Abschnitte zerlegte Quartiersentwicklung durch einen Bauträger. Der in den folgenden Beiträgen beschriebene
Abschnitt 1 umfasst ein Gebäudeensemble, welches ein neues Wohnkonzept für fitte und rüstige Senioren in ländlich alpin geprägtem Stil bilden soll. Dieses Konzept soll darüber hinaus, neben dieser Quartiersentwicklung, auch auf andere Standorte angepasst reproduzierbar werden.

Zum jetzigen Zeitpunkt steht für Abschnitt 1 lediglich die Nutzungsidee und ein erster Business-Case fest. Darüber hinaus stehen die Schlüsselgewerke für Planung und Ausführung ebenfalls schon fest. Die Ideale Ausgangssituation, um möglichst viel Know-how in die frühe Planung zu transferieren. Ein grober Terminplan ist über den Business-Case vorgegeben, dieser bezieht sich jedoch lediglich auf die Übergabemeilensteine der jeweiligen Gebäude.

2 Säulen der Projektabwicklung – Lean und IPD

Der detaillierte Prozess und die Detailterminplanung werden vollständig durch das Last Planner System (LPS) in der entsprechenden Detailstufe erarbeitet. Die Workshops zur Schulung und Implementierung finden in den kommenden vier Wochen statt. Neben Methoden wie dem LPS wird es sicherlich auch Taktplanung und -steuerung geben, sofern es sich für wiederholende Elemente eignet. Dies wird jedoch ebenfalls in der LPS Umgebung abgebildet werden.

Um die standortunabhängige Anwendung und Nutzung des LPS zu nutzen und um die gewonnenen Daten, Ideen und Erkenntnisse nicht wöchentlich zu vernichten – was bei den meisten analogen Lean System leider so üblich ist – werden wir das System im Projekt voll digitalisieren.

Wie oben aufgezeigt sind unsere täglichen Probleme systematischer Natur und nicht nur Prozessen geschuldet. Daher muss das gesamte System der Projektabwicklung angegangen werden. Unser Ziel ist ein „Integrated Project Delivery“-Modell, welches mit einem Vertrag Risiken, Chancen und Leistungen zu einem fixen Budget mit den ausführenden und planenden Gewerken regelt und entsprechend auf allen Schultern verteilt.

Der Fokus liegt dabei jedoch nicht auf dem Vertrag an sich, sondern auf der gewünschten Zusammenarbeit und Kollaboration zwischen allen Projektbeteiligten und später auch im gelungenen Zusammenspiel mit den Käufern und Mietern. Leider beginnen diese Gedanken meist erst, sobald ein Vertrag dies fixiert.

Herkömmliche Liefer- und Vertragskonzepte sehen in der Theorie getrennte Verantwortungsbereiche vor. In der Praxis führt dies zu Chaos, sobald eine Übergabe von einem Silo in ein anderes erfolgt. Traditionell geleitete Projekte leiden darunter. Teilnehmererfolg und Projekterfolg hängen dabei nur bedingt zusammen. Es wird ermöglicht, fast schon erzwungen, dass einzelne Projektbeteiligte auf Kosten des gesamten Projekterfolgs Ihre Vorteile ziehen.

Verhaltenswandel durch IPD

IPD möchte jedoch einen Verhaltenswandel erreichen, indem die Verantwortungsbereiche zerlegt, eine enge Zusammenarbeit zwischen allen wichtigen Beteiligten gefordert und der Erfolg der Teilnehmer auf den Erfolg des Projekts abstimmt werden. IPD richtet die Teilnehmerrollen, zugrunde liegende Motivationen und Abfolgen von Aktivitäten in einem Projekt strategisch neu aus, um die Talente und Fähigkeiten eines jeden Teilnehmers zum
günstigsten Zeitpunkt abzurufen. Der Erfolg ist projektorientiert im Rahmen eines integrierten Lieferansatzes und beruht auf Zusammenarbeit. Der Fokus liegt darauf, gemeinsame Ziele zu erreichen, anstatt individuelle Erwartungen zu erfüllen. Erfolg wird an dem Grad gemessen, zu dem gemeinsame Ziele erreicht werden.

Dies führt natürlich zu gesteigerten Anforderungen an die Vorbereitung der jeweiligen Tätigkeiten zu einem extrem frühen Zeitpunkt – nämlich jetzt! Hierbei werden wir auf die ganze Lean-Tool-Palette zurückgreifen, beginnend bei den schon erwähnten Lean Projektabwicklungssystemen wie dem Last Planner® System  oder der Taktplanung und steuerung. Diese fokussieren die tatsächlichen Planungs- und Bauprozesse spiegeln jedoch nicht ohne weiteres den Gesamtprojektfortschritt, Kosten und Budgets sowie die jeweiligen Ziele der Stakeholder dar.

Ziele erarbeiten

Die Zielsetzungen werden über mehrere und über die Bauzeit verteilte Workshops erarbeitet. Diese werden sich über die Zeit erfahrungsgemäß präzisieren, verschieben oder gar ändern. Hierzu verwenden wir den „Design Thinking Ansatz“. Als erstes werden hierdurch die genauen Projektziele seitens Bauträger für das Gesamtprojekt und entsprechend der einzelnen Schlüsselgewerke ausgearbeitet.

Diese Ziele werden in den finalen IPD-Vertrag einfließen und entsprechend an das Zielbudget gekoppelt. Dieses Zielbudget berechnet sich über die Methode Target Value Design. Im Gegensatz zu herkömmlichen Planungsprozessen, bei denen Planung, Budgetierung und dann Anpassungen / Umplanungen ein iterativer Prozess sind, verwendet Target Value Design unmittelbare Rückmeldung über Budget, Zeitplan und Qualität, um die Entwicklung direkt und unmittelbar zu beeinflussen. Es fördert das Entwerfen einer detaillierten Schätzung, anstatt anhand einer detaillierten Planung zu schätzen.

Um dies zu erreichen, müssen Informationen effektiv an alle interessierten Parteien kommuniziert, Feedback zurückgespielt und Entscheidungen auf einer offenen und rationalen Basis getroffen werden. Wenn dies richtig gemacht wird, verschwindet das herkömmliche “Value-Engineering”. Darüber hinaus können Alternativen, die Informationen benötigen, durch parallele Verknüpfung des Entscheidungsprozesses mit dem Zeitplan auf parallelen Pfaden bis zum geeigneten “letzten verantwortlichen Moment” fortschreiten. So soll für den Endkunden der bestmögliche Mehrwert erzeugt werden.

Kick-off, what’s next? – Start der Planung und Lean Implementierung!

Aber nun genug der grauen Theorie. Gestaltung und Umsetzung werde ich über die nächsten Wochen zeigen und aus dem Projektalltag berichten. Daher stellt sich die Frage, was steht an?

Im Projekt beginnt nun die Planung. Aus ersten Ideen gilt es konkrete Ziele zu erarbeiten, die planerisch umgesetzt werden. Die Ziele fungieren auch als Grundlage für die Konkretisierung des IPD-Vertragswerks. Weiter gilt es sämtliche Schlüsselgewerke mit Lean zu schulen, um diese Ziele zu erreichen.

Es steht also eine spannende Phase an!

Sie wollen Lean auch in Ihrem Projekt implementieren?

Implementierung in 6 Wochen

Sie wollen Lean auch in Ihrem Projekt implementieren?

Implementierung in 6 Wochen